Darum sollten Sie Tiere aus Qualitätszucht kaufen!

"Eigentlich will ich ja gar nicht züchten. Der ganze Trubel um Qualitätsmerkmale und so ist doch völlig übertrieben, die meisten Zuchttiere sind eh alle überzüchtet, anfällig und kosten viel zu viel. Und den Stress mit Ausstellungen will ich mir und den Tieren auch nicht antun. Außerdem hat mir jemand gesagt, dass so manches erstplatzierte Tier nach einiger Zeit gar nicht mehr so schön aussieht. Und Stammbäume haben die Tiere in der Natur auch keine und vermehren sich trotzdem. Alles was ich will ist doch, dass meine Mäuse ab und zu Nachwuchs haben."

 

Vielen Dank an Angie Bräunig für die Vorlage zu diesem Text!

 

"Eigentlich will ich ja gar nicht züchten. Der ganze Trubel um Qualitätsmerkmale und so ist doch völlig übertrieben, die meisten Zuchttiere sind eh alle überzüchtet, anfällig und kosten viel zu viel. Und den Stress mit Ausstellungen will ich mir und den Tieren auch nicht antun. Außerdem hat mir jemand gesagt, dass so manches erstplatzierte Tier nach einiger Zeit gar nicht mehr so schön aussieht. Und Stammbäume haben die Tiere in der Natur auch keine und vermehren sich trotzdem. Alles was ich will ist doch, dass meine Mäuse ab und zu Nachwuchs haben."

 

Solche oder ähnliche Aussagen bekommt man an allen Ecken zu hören. Und manchmal klingt es ja auch gar nicht so falsch - denkt man sich mindestens im stillen Kämmerlein.

 

Auf der anderen Seite hört man die Aussagen erfahrener Züchter, die einen warnen, einem womöglich sogar Angst machen wollen - mit potentiellen Gendefekten, Krankheiten, schlechter Fellqualität und Inzuchtschäden. Und wenn man dann erst einmal bei Begriffen wie Klarheit, Schleierausbreitung, Segregationsregel oder Heterosiseffekten angelangt ist, hat so mancher Chinchillafreund gänzlich die Lust an ernsthafter Beschäftigung mit der Zucht verloren und verpaart munter drauf los. Dabei braucht es eigentlich nur den "gesunden Menschenverstand", um sich dem Thema einigermaßen zu nähern. Wir wollen es heute einmal mit der Automobilbranche versuchen, wobei das Grundprinzip eigentlich überall gilt.

 

Ganz gleich, ob Sie einen Fiat oder einen Mercedes fahren, ob Ihr Auto für Sie Statussymbol oder reiner Gebrauchsgegenstand ist, was Sie zu Recht erwarten ist doch, für Ihr gutes Geld bestmögliche Verarbeitung und somit „Leistung“ zu bekommen. Dazu gehört, dass der Hersteller sich genaue Gedanken gemacht haben sollte, was er da zusammenschraubt - warum er dieses Bauteil nimmt und nicht jenes. Man erwartet, dass er testet und vergleicht, dass er bei der neuen Serie versucht, alte Fehler zu verbessern. Und natürlich soll das Auto am Ende den geltenden Gesetzen entsprechen und fahrtauglich sein. Viele Menschen verbringen vor dem Kauf eines neuen Gerätes viele Stunden, Tage, Wochen oder gar Monate damit, Testberichte zu lesen, Vergleiche anzustellen oder sogar Fachleute nach ihrer Meinung zu fragen.

 

Und dieser ganze Aufwand wird betrieben trotz des Wissens, dass man ein technisches Gerät, bei Nichtgefallen oder wenn es den eigenen Erwartungen nicht entspricht, umtauschen kann. Wenn es nicht so funktioniert wie es soll, kann man es reparieren. Auch Weiterverkauf ist ohne Weiteres möglich. Ein Chinchilla dagegen wird Sie einen großen Teil Ihres Lebens, manchmal sogar an die zwanzig Jahre und länger, begleiten. Hat es da nicht verdient, dass Sie sich als Halter oder gar Züchter ein paar mehr Gedanken über seine "Herstellung", seine Herkunft und genetischen Voraussetzungen machen?

 

Nun, Hersteller technischer Geräte unterliegen strengen Kontrollen. Bei Autos wird sogar noch während ihrer "Lebenszeit" durch den TÜV regelmäßig kontrolliert, ob sie noch den Ansprüchen gerecht werden. Es gibt regelmäßige Statistiken, welche Autos hier auf Dauer wie abschneiden. Und seien Sie sich gewiss: Auch die Hersteller achten sehr wohl auf diese Rankings und versuchen, häufig auftretende Fehler auszumerzen. Selbst von der billigsten Lichterkette verlangt man zumindest das CE-Prüfzeichen, sonst lässt man sie lieber im Laden liegen.

 

Bei Chinchillas gibt es kein CE-Prüfzeichen, und auch kein TÜV überwacht, welche Zuchten lange Zeit ohne Mängel "funktionieren" und welche schon früh durch immer die gleichen Probleme auffallen. Jeder verantwortungsbewusste Züchter setzt nur Tiere zur Zucht ein, welche nach dem aktuellen Zuchtstandard für geeignet erklärt werden können. Aus diesem Grund besitzt jedes Tier einen ausreichend langen Stammbaum, um negative genetische Einflüsse ausschließen oder zumindest kontrollieren zu können, sei es auf gesundheitlicher oder qualitativer Ebene. Erbkrankheiten werden so langfristig aus den Zuchten verbannt. Hochwertige standardfarbene Tiere besitzen von allen Chinchillafarben die beste Fellqualität. Will der Züchter Mutationsfarben in den Stall holen, so sucht er sich gezielt eine einzige oder zumindest nur sehr wenige Mutationsfarben aus und arbeitet aktiv an der Verbesserung, versucht mit den guten Eigenschaften des Standard die „Schwächen“ der Mutationstiere auszugleichen oder zumindest zu begrenzen.

 

Den regelmäßigen, strengen Kontrollen unterzieht sich ein guter Züchter auf Chinchilla-Schauen, wo jedes einzelne Tier von einem fachkundig ausgebildeten Bewerter kontrolliert, mit internationaler Konkurrenz verglichen und entsprechend seiner Qualität eingestuft wird. Hierdurch erfährt der Züchter, an welchem Punkt er mit Zuchtverbesserungen ansetzen muss und welche Eigenschaften bereits gut ausgeprägt sind. Die nächsten Generationen sollen diese Schwächen schließlich nicht mehr besitzen.

 

Nun, die Chinchillas sind leider in den letzten fünfzehn Jahren stärker in Mode gekommen, als es für die Tiere gut war. Dies hat nun zur Folge, dass viele geschäftstüchtige Menschen erkannt haben: "Richtig" angegangen lässt sich mit ihnen schnell viel Geld machen. Dies gelingt in allererster Linie über die Farbenvielfalt, die sich heutzutage in der Chinchillawelt zeigt. In zahllosen unseligen Zuchträumen tummeln sich Chinchillas aller erdenklicher Mutationsfarben, welche beliebig miteinander verpaart und gekreuzt werden, um immer "interessantere" Genkombinationen zu erhalten. Und weil der Nachwuchs dann ja so eine tolle Farbe hat, kann man ihn für richtig gutes Geld verschachern.

 

Viel besser erscheint da doch der nette Halter, der seinen zwei lieben Chinchillaweibchen einmal in ihrem Leben Nachwuchs „gönnen“ möchte. Der Papa ist erst kürzlich aus dem engen Käfig einer Zoohandlung "gerettet" worden. Er ist ja auch so ein süßes Tier! Sie merken schon - es läuft ebenfalls auf nicht viel Besseres hinaus! Natürlich haben die Jungtiere in dem Fall das Glück, dass sie vielleicht wirklich mit Liebe und Herzblut aufgezogen werden. Die Besitzer geben sich auch alle Mühe, den kleinen Rackern alles zukommen zu lassen, was sie brauchen. Dass sie keine Stammbäume haben, ist tatsächlich zweitrangig. Viel wichtiger ist aber auch hier, dass keiner der Beteiligten auch nur im Mindesten eine Ahnung davon hat, was diese Tiere genetisch in sich tragen. "Wir lassen die Tiere eben Nachwuchs zeugen wie in der Natur!" - Fehlanzeige, denn dort wären derartig belastete Tiere längst durch natürliche Selektion aus dem Bestand entfernt worden. Auch zwei augenscheinlich gesunde Eltern vererben unter Umständen tragische Krankheiten. Erinnern Sie sich an Ihren Biologieunterricht? Der Herr hieß Mendel. Viele Merkmale überspringen Generationen oder werden rezessiv vererbt, so dass sie nur zum Vorschein kommen, wenn der Zuchtpartner sie ebenfalls trägt!

 

Die Tierheime sind voll von Chinchillas, die aus solchen Würfen stammen. Letzten Endes sind sie alle nichts anderes als genetische "Wundertüten", bei deren Zucht Sie nicht ahnen können, was dabei heraus kommt. Wollen Sie tatsächlich verantworten, was dies für Sie oder den künftigen Halter des Chinchilla bedeutet?

 

Denken Sie also bitte gut nach, bevor Sie entscheiden, woher Ihr künftiges Heim- oder Zuchttier kommen soll! Genau wie beim Automobil: Möchten Sie für ein vom Hobbybastler selbst zusammengeschweißtes Vehikel mehr oder weniger viel Geld ausgeben, nur auf Nebenstrecken fahren dürfen und, wenn Probleme auftauchen, auch wieder nur zum Hobbybastler gehen können, oder doch lieber auf einen "Hersteller" zurückgreifen, der ständigen Qualitätskontrollen und Vergleichen unterliegt, der seine Bauteile nur bei zertifizierten Zulieferern einkauft und bei dem Sie vollständige Garantie bekommen?

 

Es gibt auch in der Chinchillawelt viele seriöse, ehrliche und "fachmännische" Züchter - es gilt sie nur zu finden.

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